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Das Wilde Wir - Gemeinde Waddeweitz

Gemeinde Waddeweitz
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Das Wilde Wir: Ein Hof für Tiere, Menschen und Begegnungen in Kiefen
Vor zwei Jahren haben Ann-Marie Hagenkötter und Michel Steinfeld einen Hof in Kiefen gekauft und daraus den Lebens- und Begegnungshof "Wildes Wir" entwickelt. Angekommen sind die beiden mit sechs Hennen, einigen Ziegen und Pferden. Inzwischen leben weitere Tiere dort: Hühner, Ziegen, Katzen, Shetlandponys, ein Haflinger und ein Kaltblut. Alle diese Tiere haben ihre eigene, oft leidvolle Geschichte. Manche wurden nicht mehr gebraucht, manche waren krank, viele kamen aus schlimmer Haltung. Auf dem Hof haben sie nun einen Ort gefunden, an dem sie bleiben dürfen.

Kein Gnadenhof, sondern ein Lebenshof
Früher hätte man zu einem solchen Ort wahrscheinlich "Gnadenhof" gesagt. Ann-Marie und Michel würden dieses Wort aber eher vermeiden, denn für sie es ist keine Gnade, dass Tiere leben dürfen. Ihre Grundhaltung ist eine andere: "Die Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und fühlende Lebewesen und sie haben ein eigenes Recht auf Leben, Schutz und Würde", erklärt Ann-Marie. Und Michel ergänzt: "Sie brauchen unseren Respekt und gerade die in der Nutztierhaltung versehrten Tiere brauchen ein Refugium."
Genau so ein Refugium versuchen Ann-Marie und Michel jeden Tag zu schaffen: einen geschützten Ort, an dem jedes Tier so leben kann, wie es seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen entspricht. Einen Ort, an dem Mensch und Tier gut zusammen leben können – über Artgrenzen hinweg. Das ist nicht immer einfach. "Wir sind ständig dabei, den Platz auszuhandeln, den jedes Lebewesen auf diesem Hof braucht", sagt Michel. "So gut es geht, soll allen Bewohnenden des Hofes zugestanden werden, was sie brauchen. Jede Perspektive spielt eine Rolle und ist wichtig." Das erfordert auch Kompromisse. So muss die vierjährige Tochter Naali noch ein wenig warten bis das kleine Holzhaus hinter den Büschen zu ihrem Kinderhaus werden kann. Aktuell wird es noch von den Hühnern gebraucht, aber ein neuer Stall für die Tiere ist schon im Bau.
Die Hühner: zerrupft und verstört angekommen, heute mitten im Leben
Zu den ersten sechs Hennen sind inzwischen weitere Hühner gekommen. Ann-Marie und Michel arbeiten mit dem Verein „Rettet das Huhn“ zusammen und haben auch Legehennen – unter anderem aus der Bio-Freilandhaltung - aufgenommen. Wenn diese Hühner ankommen, sieht man ihnen ihr früheres Leben deutlich an. Sie sind erschöpft, verstört und manchmal fast ohne Federn. So wie Ninja. Sie kam aus der Bio-Freilandhaltung ins „Wilde Wir“. Heute ist sie kaum mehr wiederzuerkennen (siehe Bilder).
Ann-Marie beschreibt, wie schwierig die erste Zeit für die Hühner ist: "Wenn die Hühner kommen, sind sie völlig von der Rolle, aufgescheucht und ohne natürliche Instinkte. Die alten Hühner auf dem Hof kennen die Freiheit. Sie achten auf Greifvögel und suchen Schutz unter Büschen, Bäumen oder Unterständen. Die neu geretteten Legehühner dagegen laufen oft zunächst einfach über die offene Wiese. Sie sind froh über Platz, Licht und Auslauf. Was Freiheit bedeutet und wie man sich draußen sicher bewegt, müssen sie erst wieder lernen. Und manchmal bringen sie dabei ordentlich Leben auf den Hof. In kürzester Zeit kann ein Hochbeet umgepflügt sein.
Für Ann-Marie und Michel ist die Rettung dieser Hühner eine Aufgabe, die ihnen außer viel Arbeit im Alltag auch viele kleine Glücksmomente beschert. "Es ist einfach so schön, wenn die Hühner morgens schon vor der Tür auf uns warten", sagt Ann-Marie. Gleichzeitig sehen die beiden auch die größere Frage dahinter. Michel sagt: "Es ist für uns eine schöne Aufgabe zu retten, aber eigentlich wäre das Richtige, diese Haltung abzuschaffen."
Ein besonderes Huhn auf dem Hof ist Mizuki, ein Seidenhuhn. Seidenhühner stammen ursprünglich aus China. Sie sehen mit ihrem weichen Federkleid sehr hübsch und besonders aus. Doch diese Zucht bringt auch Probleme mit sich. Seidenhühner können nicht richtig fliegen, und ihr Federkleid ist nicht wasserdicht. Für ein gesundes Leben im Freien sind das keine guten Voraussetzungen. Auch daran sieht man: Was Menschen schön finden, ist für Tiere nicht immer gut.
Wie ernst Ann-Marie und Michel das Leben jedes einzelnen Tiers nehmen, zeigt auch die Geschichte von Minerva, genannt Pipsi. Sie hatte einen Legedarmvorfall. Das bedeutet, dass sich ein Teil des Legedarms bzw. Eileiters nach außen gestülpt hatte und nicht wieder von selbst zurück glitt. Begünstigt werden solche Vorfälle durch die Zucht von Hühnern, die extrem viele und große Eier legen. Auch eine gerettete Henne auf einem Lebenshof kann noch daran erkranken, weil sie ihren auf Leistung gezüchteten Körper mitbringt. Ein Legedarmvorfall ist ein akuter Notfall, der schnell behandelt werden muss. Ann-Marie fuhr mit Minerva direkt nach Schwerin zu einem spezialisierten Vogeltierarzt. Minerva bekommt jetzt ein besonderes, leider auch kostspieliges Medikament, das die Eierbildung stoppen soll. So bekommt ihr Körper Ruhe und sie kann weiterleben.

Die Ziegen: klug und voller Charakter
Auf der Wiese neben der Scheune leben die Ziegen. Immer wieder werden Ann-Marie und Michel gefragt, ob sie noch Lebensplätze für Tiere haben. Manche Tiere stammen von Höfen, auf denen nicht mehr geschlachtet werden sollte. Dann stellte sich plötzlich die Frage: Was passiert nun mit den Tieren? Andere Ziegen lebten frei in einem Waldstück. Ihr Besitzer kümmerte sich nicht um sie. Als Menschen darauf aufmerksam wurden, waren einige bereits gestorben. Die überlebenden Tiere waren sehr scheu. Sie mussten ganz langsam wieder angefüttert werden, bevor sie eingefangen und auf den Lebenshof gebracht werden konnten. Heute bleiben gerade diese "Wald-Ziegen" sehr gerne im Stall. Sie genießen den Schutz und die Sicherheit, die sie dort haben. Isolde und Tristan sind Holländer-Schecken. Außerdem leben afrikanische Zwergziegen auf dem Hof. "Die Ziegen haben alle einen ganz eigenen Charakter. Isolde zum Beispiel ist eine richtige Wander-Ziege. Sie liebt es mit ihren Menschen unterwegs zu sein" berichten Ann-Marie und Michel.
Ann-Marie kennt sich mit Ziegen besonders gut aus. Sie hat ein Buch über Ziegenhaltung ohne Nutzung geschrieben. Es heißt: „Ziegen – treue Freunde mit Köpfchen“. Michel hat für die Ziegen etwas Besonderes gebaut: ein kleines "Gebirge" aus vielen großen Feldsteinen. Denn Ziegen klettern gern. Auch das gehört zum Grundgedanken des Lebenshofs: Tiere sollen nicht nur versorgt werden. Sie sollen auch Möglichkeiten haben, ihr natürliches Verhalten auszuleben.
Pferde und Ponys: besondere Bedürfnisse, besondere Verantwortung
Neben Hühnern und Ziegen leben viele Pferde und Ponys auf dem Hof. Gerade die Shetlandponys bringen besondere Herausforderungen mit. Viele von ihnen haben Stoffwechselprobleme. "Das liegt auch daran, dass Shetlandponys ursprünglich aus einer Gegend kommen, in der es karg und das Gras wenig nährstoffreich ist. Das fette Gras hier können sie schlecht verarbeiten. Deshalb brauchen sie eine besonders angepasste Haltung" erzählt Michel. Auf dem Hof leben auch zwei erblindete Pferde. Sie sind bewusst auf zwei Herden aufgeteilt, damit in jeder Herde nur ein blindes Tier lebt. Auch die Gestaltung der Paddocks muss gut über legt sein. Was für ein sehendes Pferd nur ein Gegenstand auf dem Weg ist, kann für ein blindes Pferd zur Stolperfalle werden. Eine weitere Besonderheit des Hofes ist die Arbeit mit den Shetlandponys. "Viele Shetlandponys werden als Kinderponys angeschafft. Wenn die Kinder größer werden, passen die Ponys oft nicht mehr in das Familienleben" weiß Ann-Marie. Sie hat für einige Shetlands eine neue Aufgabe gefunden: die Fuhrhalterei. Sie ist lizenzierte Fahrtrainerin und führt Kurse zur Prüfung für den Kutschenführerschein durch.

Begegnung, Bildung und Coaching mit dem Zauber der Tiere
Ann-Marie und Michel haben den Verein „Wildes Wir“ gegründet. Dabei geht es nicht nur um Tierschutz. Auch Jugendhilfe, Umweltschutz und ökologische Bildung gehören zu den Zielen des Vereins. Vor kurzem war zum Beispiel eine Schulklasse aus Hamburg an ihrem Wandertag auf dem Hof. Wer sich als Fachkraft oder interessierte Person nähere Informationen wünscht, kann diese im Pädagogischen Konzept des Hofes finden. Der Lebens- und Begegnungshof ist also auch ein besonderer Ort für die Menschen, die hier hinkommen. Sie können erleben, dass Tiere Persönlichkeiten mit einzigartigem Charakter sind und können viel von ihnen lernen – auch über sich selbst. "In der Begegnung mit Tieren werden Themen wie Beziehungsgestaltung, Fehlerkultur, Kooperation und Problemlösungsstrategien unmittelbar erlebbar. Es entsteht Raum, um über Andersartigkeit, Grenzen und gegenseitiges Verständnis zu sprechen", erklärt Michel. Ein Anliegen der beiden ist es auch, Menschen in ihren Lebensfragen zu begleiten. Ann-Marie ist Coachin und zertifizierte Naturpädagogin. Sie arbeitet mit tiergestütztem systemischen Coaching. "Das Wort ,Coach‘ mag ich eigentlich nicht, aber es gibt kein anderes, das passt und auch verstanden wird", sagt sie. Ihr Angebot richtet sich an Menschen, die Klarheit über ihre Wünsche, Bedürfnisse und ihre Potenziale gewinnen und ihre Ziele verfolgen möchten. Michels Schwerpunkt sind eher die wissenschaftlichen Fragestellungen. Er ist studierter Theologe mit langjähriger Erfahrung in der Telefon- und Krankenhausseelsorge und richtet akademische Workshops aus. "Egal, welche Gruppen auf den Lebens- und Begegnungshof kommen: Der Zauber passiert immer durch die Tiere", sind sich die beiden einig. Die beiden wünschen sich, dass ihre Bildungs- und Begegnungsangebote noch besser bekannt und intensiver genutzt werden. Für Menschen, die die Arbeit des Lebenshofs finanziell unterstützen möchten, gibt es auch die Möglichkeit, eine Patenschaft für ein Tier zu übernehmen. Wer sich genauer informieren will, schaut auf www.wildes-wir.de, schreibt eine e-Mail an wildeswir@gmx.de oder greift zum Telefon: 0151/61 47 10 81
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